Rückblick: Infoanlass zu Netto-Null-Förderprogramm
Netto-Null konkret: Schaffhauser Unternehmen suchen nach Lösungen
Wie können Unternehmen ihren CO₂-Ausstoss reduzieren, gleichzeitig Kosten und Risiken im Blick behalten und sich auf neue Anforderungen von Kunden und Gesetzgeber vorbereiten? Am gemeinsamen Praxisabend von IVS und KGV, durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem ITS Industrie- & Technozentrum Schaffhausen, stand nicht die Theorie, sondern die konkrete Umsetzung im Mittelpunkt.
Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Wirtschaft kamen am 17. September in der SIG Event Location zusammen. Eröffnet wurde der Abend von Werner Schmid, Vorstandsmitglied der IVS und Vorsitzender der IVS Umwelt- und Energiekommission, sowie KGV-Präsident Luca Jaquet. Ihre Botschaft: Für viele Unternehmen stellt sich heute weniger die Frage, ob sie sich mit Netto-Null auseinandersetzen müssen, sondern wann und wie.
Anforderungen kommen nicht nur vom Gesetzgeber
Dabei geht es längst nicht allein um gesetzliche Vorgaben. Auch die Anforderungen entlang der Lieferketten steigen. Kunden verlangen CO₂-Bilanzen und Nachhaltigkeitsnachweise, bei Ausschreibungen werden entsprechende Angaben gefordert und grössere Unternehmen benötigen zunehmend Informationen zu den Emissionen ihrer Zulieferer. Wer den eigenen Energieverbrauch und die wichtigsten Emissionsquellen kennt, kann deshalb nicht nur gezielter Massnahmen planen, sondern ist auch besser auf neue Anforderungen vorbereitet.
Genau hier setzt das kantonale Förderprogramm «Netto-Null für Schaffhauser Unternehmen» an. Elia Minghetti vom ITS zeigte, welche Unterstützung Betriebe in Anspruch nehmen können. Das von der Energiefachstelle des Kantons lancierte und von IVS, KGV und Wirtschaftsförderung unterstützte Programm begleitet Unternehmen kostenlos, praxisnah und unabhängig. Es bietet Orientierung, vermittelt Fachexpertise und unterstützt Unternehmen dabei, geeignete Projekte und Fördermöglichkeiten zu identifizieren.
Dass das Angebot einem Bedürfnis entspricht, zeigen die bisherigen Zahlen: 32 Firmengespräche und ebenso viele Kontaktvermittlungen haben bereits stattgefunden, fünf konkrete Förderprojekte wurden realisiert. Das Programm läuft noch bis Ende 2027.
Zwei Unternehmen, zwei unterschiedliche Wege
Wie der Weg in der Praxis aussehen kann, zeigte Werner Schmid am Beispiel der Phoenix Mecano Solutions AG in Stein am Rhein. Das Unternehmen entschied sich angesichts der Komplexität des Themas früh dafür, externe Fachkompetenz beizuziehen. Am Standort wurden unter anderem Dächer und Bürobereiche energetisch saniert, eine Photovoltaikanlage installiert und der Energieverbrauch genauer erfasst. Weitere Einsparungen und Prozessoptimierungen sind in Planung.
Einen anderen Ansatz präsentierte Simon Bergauer von der Bergauer Holzbau GmbH. Bereits bei der Wahl des neuen Firmenstandorts spielte die Energiefrage eine wichtige Rolle. Zunächst musste geklärt werden, wie hoch der tatsächliche Energiebedarf des Betriebs ist und wie viel davon am Standort selbst produziert werden kann. Perspektivisch beschäftigt sich das Unternehmen auch mit der Frage, ob überschüssige Energie gemeinsam mit benachbarten Betrieben genutzt werden könnte. Die Beratung durch das ITS half dabei, die nächsten sinnvollen Schritte zu bestimmen.
Die beiden Beispiele machten deutlich: Den einen Weg zu Netto-Null gibt es nicht. Ausgangslage, Energiebedarf, Gebäude, Produktionsprozesse und wirtschaftliche Möglichkeiten unterscheiden sich von Betrieb zu Betrieb.
Nicht auf die perfekte Lösung warten
Beim anschliessenden Austausch und Apéro wurden konkrete Fragen und Erfahrungen aus den Unternehmen weiterdiskutiert. Ein zentraler Gedanke zog sich durch den Abend: Wer sich auf den Weg zu Netto-Null macht, muss nicht mit der grösstmöglichen Investition beginnen. Oft steht am Anfang eine saubere Bestandsaufnahme. Wo wird wie viel Energie verbraucht? Wo entstehen relevante Emissionen? Welche Massnahmen sind technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll?
Aus dieser Analyse können Schritt für Schritt konkrete Entscheidungen entstehen. Oder, wie Simon Bergauer es am Abend formulierte: Netto-Null ist nicht einfach ein einzelnes Projekt, sondern das Ergebnis vieler bewusster Entscheidungen.
