i #Netzwerk Bereits angemeldet? - Am 20. März ist IVS-Mitgliederversammlung!

Umwelt- und Energiethemen sind für Unternehmen je nach Ausgangslage unterschiedlich relevant. Die IVS-Kommission für Umwelt und Energie hat 2025 genutzt, um aktuelle Themen zu identifizieren, die für viele Mitgliedsfirmen praxisnah sind. In der kommenden Zeit vertieft die Kommission diese Themen und bereitet Informationen für interessierte Unternehmen auf. Das Angebot ersetzt keine Fachberatung. Es geht um Orientierung, Grundlagen und den Zugang zu verlässlichen Inhalten, nicht um individuelle Empfehlungen oder Fallbeurteilungen. Die Themen werden nachstehend kurz erläutert:

PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen)
Der Fokus liegt aktuell auf der Umsetzung des EU-weiten Beschränkungsvorschlags, der PFAS in vielen Industriebereichen sukzessive verbietet, sofern keine kritischen Ausnahmen (z. B. Medizintechnik) vorliegen. Seit kurzem gelten zudem verschärfte Trinkwasser-Grenzwerte in der EU, während die Schweiz die Übernahme dieser Werte intensiv prüft, um harmonisierte Sicherheitsstandards zu gewährleisten. Siehe auch dazu den detaillierten Text weiter unten.

Zielvereinbarungen (Energie & CO2)
Zielvereinbarungen sind für Unternehmen der entscheidende Hebel, um sich von der CO2-Abgabe befreien zu lassen oder Netzzuschlagsrückerstattungen zu erhalten, wobei die Anforderungen durch das neue Stromgesetz präzisiert wurden. Verpflichtend sind die Zielwerte meist für Grossverbraucher, während KMU oft auf freiwilliger Basis teilnehmen, um von Förderprogrammen und Steuervorteilen zu profitieren.

Waste / Abfallverwertung / Recycling
Durch die aktuelle Revision des Umweltschutzgesetzes rückt die Kreislaufwirtschaft weiter in den Fokus. Technologisch gewinnen das chemische Recycling und KI-gestützte Sortieranlagen an Bedeutung, um auch komplexe Verbundstoffe wieder in den Produktionskreislauf zurückzuführen. Unternehmen tauschen sich vermehrt über den digitalen Produktpass aus, der Transparenz über die Materialzusammensetzung und damit die Recyclingfähigkeit entlang der gesamten Lieferkette schaffen soll.

Hochtemperatur-Wärmepumpen (> 150 Grad)
In der industriellen Prozesswärme haben Hochtemperatur-Wärmepumpen die 150-Grad-Marke mittlerweile stabil geknackt und dienen oft als Ersatz für gasbetriebene Dampferzeuger. Der technologische Stand umfasst Systeme, die mit natürlichen Kältemitteln oder speziellen Gemischen arbeiten, um selbst bei diesen extremen Temperaturen hohe Wirkungsgrade zu erzielen. Erste Pilotanlagen zeigen, dass die Integration in bestehende Abwärmeströme der Lebensmittel- und Chemieindustrie die Dekarbonisierung deutlich beschleunigt.

Strommangellage / Blackout
Trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien bleibt das Risiko einer Strommangellage im Winter weiterhin bestehen, da die inländische Produktion die saisonalen Lücken noch nicht vollständig decken kann.

Stromspeicherung
Der aktuelle technische Stand ist geprägt vom Durchbruch der Natrium-Ionen-Batterien im stationären Bereich, die als kostengünstige und ressourcenschonende Alternative zu Lithium-Ionen-Akkus gelten. Zudem wird das bidirektionale Laden (Vehicle-to-Grid) rechtlich und technisch breiter unterstützt, wodurch Elektrofahrzeug-Flotten als virtuelle Grossspeicher fungieren können. Für Industriebetriebe rücken zudem thermische Speicher (z. B. Flüssigsalz- oder Erdwärmespeicher) in den Fokus, um Überschussstrom effizient für spätere Wärmeprozesse zwischenzulagern.

 

Schwerpunktthema «Ersatz von PFAS: Nutzen, Risiken und industrielle Herausforderungen»

Definition und Bedeutung
PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) umfassen über 10’000 synthetische Chemikalien, die seit den 1940er-Jahren (bekanntester Vertreter: Teflon) industriell genutzt werden. Ihre extrem stabilen Kohlenstoff-Fluor-Verbindungen machen sie wasser-, öl- und schmutzabweisend sowie thermisch und chemisch hochresistent. Diese Eigenschaften machen sie bislang zu einem unverzichtbaren Standard in fast allen Industriezweigen.

Einsatzgebiete
Die Anwendungen sind vielfältig und betreffen nicht nur spezialisierte Branchen:

  • Schlüsselindustrien: Halbleiterfertigung, Medizintechnik (Implantate), Luftfahrt (Dichtungen), Energietechnik (Batterien) und Chemieanlagenbau.
  • Alltag und Betrieb: Feuerlöschschäume, technische Textilien, Schmiermittel, IT-Komponenten, Gebäudetechnik (Isolierungen) sowie Büro- und Küchenausstattungen.

Gründe für den Ersatz
Trotz ihrer technischen Vorteile sind PFAS hochproblematisch: Sie sind in der Natur kaum abbaubar („Ewigkeitschemikalien“) und reichern sich in der Umwelt sowie im menschlichen Körper an. Es besteht der Verdacht auf krebserregende Wirkungen und Beeinträchtigungen des Immunsystems. Infolgedessen plant die Schweiz – in Anlehnung an die EU – ab November 2026 erste Verbote für leicht ersetzbare Produkte (z. B. Textilien, Kosmetika, Verpackungen) sowie verschärfte Grenzwerte für Trinkwasser.

Herausforderungen für die Industrie
Die Umstellung stellt Unternehmen vor enorme Hürden:

  1. Technische Substitution: Es mangelt oft an Alternativen, die das gleiche Leistungsprofil (Hitze- und Chemikalienbeständigkeit) bieten.
  2. Qualifizierung: Neue Materialien müssen in sicherheitskritischen Bereichen (Medizin, Luftfahrt) langwierig getestet und zertifiziert werden.
  3. Wirtschaftliche Belastung: Hohe Kosten für Forschung, Prozessumstellung und die Reinigung kontaminierter Standorte fallen an.
  4. Verfügbarkeit: Viele Ersatzstoffe sind noch nicht in industriellen Mengen marktreif.

Der Verzicht auf PFAS ist ökologisch notwendig, aber technologisch komplex. Unternehmen sollten nicht abwarten, sondern frühzeitig in die Entwicklung nachhaltiger Alternativen investieren. Die Transformation erfordert Zeit und Kapital, bietet jedoch die Chance auf technologische Erneuerung und eine zukunftsfähige Marktpositionierung.

 

Herzlichen Dank
Die Kommission hat sich in diesem herausfordernden Jahr mit Engagement für die Anliegen rund um die Energie und Umwelt eingesetzt. Die Spezialist:innen der Kommission befassen sich in erster Linie mit konkreten Massnahmen im Bereich der Energieversorgung, mit Sparmassnahmen im Energiebereich sowie mit der Entsorgung von Reststoffen. Weitere wichtige Themen sind die Dekarbonisierung der Energie (CO2-Reduktion) und der Umgang mit Wasser bzw. Abwasser.

von Werner Schmid, Kommissionsvorsitzender

 

Mehr zur Umwelt- und Energiekommission