Jubiläum auf dem Rhein: 20. IVS-Schifffahrt im Zeichen der Innovation
Zum 20. Mal brachte die IVS auf dem Rhein Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zusammen. Im Zentrum der Jubiläumsausgabe stand die Frage, wie Schaffhausen seine industrielle Stärke für die nächste Entwicklungsphase nutzen kann.
Mit ihrer 20. Durchführung feierte die IVS-Schifffahrt am 26. August 2026 ein besonderes Jubiläum. Rund 130 Teilnehmende nutzten die Fahrt, um bestehende Kontakte zu pflegen, neue Verbindungen zu knüpfen und aktuelle Herausforderungen gemeinsam zu diskutieren. Gerade in einer überschaubaren Wirtschaftsregion sind kurze Wege zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung ein wichtiger Standortvorteil. Sie schaffen Vertrauen, fördern das gegenseitige Verständnis und helfen, aus Ideen konkrete Kooperationen entstehen zu lassen.
Schaffhausen verfügt über eine starke industrielle Basis, international tätige Unternehmen und viel Erfahrung in der Produktion. Die drei Referenten zeigten aus unterschiedlichen Perspektiven, wie sich dieses Fundament in zusätzliche Innovationskraft übersetzen lässt.
Raphaël Tschanz: Wirtschaftsräume statt Kantonsgrenzen
Der Direktor der Zürcher Handelskammer betonte, dass industrielle Stärke nur erhalten bleibt, wenn sie laufend erneuert wird. Schaffhausen solle sich dabei nicht über seine geografische Randlage definieren, sondern als Teil eines grösseren Wirtschafts- und Innovationsraums zwischen Zürich und Süddeutschland verstehen. Die Nähe zu diesen Zentren eröffne Zugang zu Wissen, Talenten und Partnern. Auch ein verlässlicher Zugang zum europäischen Markt sei für den Grenzkanton zentral. Kooperationen zwischen Unternehmen, Hochschulen und spezialisierten Netzwerken könnten Entwicklungen beschleunigen. Nutzen müssten diese Möglichkeiten letztlich die Unternehmen selbst.
Christoph Schärrer: Das Erfolgsmodell weiterentwickeln
Der Delegierte für Wirtschaftsförderung erinnerte an die Industriekrise der 1990er-Jahre und den anschliessenden Wiederaufbau durch eine konsequente Standortpolitik. Dieses Modell habe Schaffhausen weit gebracht, stosse unter veränderten steuerlichen und wirtschaftlichen Bedingungen jedoch an Grenzen. Schärrer skizzierte deshalb die Idee einer «Anwendungsregion»: Industrienahe Kompetenzzentren sollen Forschung, unternehmerische Erfahrung und Talente verbinden und neue Technologien rascher in die Praxis bringen. Ein Beispiel dafür ist das geplante Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeitsrobotik in Zusammenarbeit mit der Empa. Damit solche Initiativen Wirkung entfalten, brauche es eine ausreichende Grösse, verlässliche Rahmenbedingungen, eine substantielle finanzielle Unterstützung vonseiten des Kantons und die Beteiligung der regionalen Wirtschaft.
Markus Bühler: Innovation als tägliche Aufgabe
Markus Bühler, Associate Director Watch Production bei der IWC, zeigte anhand der Unternehmensgeschichte, weshalb sich auch ein Traditionsbetrieb ständig erneuern muss. Bei der IWC reicht Innovation von neuen Materialien und Uhrwerken bis zur Weiterentwicklung der Produktionsprozesse. Entscheidend seien zudem Freiräume, in denen neue Ideen erprobt werden können. Dass Innovation nicht nur Führungssache ist, zeigt die «Apprentice Challenge», bei der Lernende eine eigene Uhr entwickeln und gemeinsam mit der Produktion umsetzen. Ebenso wichtig seien Kooperationen mit Hochschulen und Forschungspartnern. Von Schaffhausen wünscht sich Bühler attraktive Lebensbedingungen, gut zugängliche Innovationsplattformen und eine dauerhafte Zusammenarbeit.
Wegen des tiefen Rheinpegels führte die Jubiläumsfahrt nur bis Diessenhofen. Beim gemeinsamen Nachtessen und auf dem Schiffsdeck wurden die Diskussionen weitergeführt, Bekanntschaften vertieft und Gedanken für neue gemeinsame Projekte ausgetauscht.
